| Interview |
Anlässlich des neuen Meisterwerkes von Corvus Corax, nämlich der Umsetzung der legendären Carmina Burana, die sie auf
dem Wacken Open Air 2005 in der offiziellen Weltpremiere präsentieren werden, ergab sich uns die Möglichkeit ein
Phoner-Interview mit einem der Jungs führen zu können.
Hierfür stand uns Harmann der Drescher - bei Corvus Corax fürs Maltretieren der Trommeln zuständig - Rede und Antwort.
Das Review zum Album Carmina Burana erreicht ihr hier
(Harmann der Drescher, hinten rechts)
Deadfall:
Mit eurer Interpretation der Carmina Burana wird die Brücke zwischen verschiedenen Musikrichtungen und damit
auch unterschiedlichem Publikum geschlagen. Wie wichtig ist es euch, mit eurem Werk auch älteres Publikum zu
erreichen, die Liebhaber der Klassik sind?
Harmann:
Da kann ich ja mal ein bißchen ausholen...
also mit unserer eigentlichen Stammband Corvus Corax haben wir sowieso schon die Erfahrung jetzt in den letzten Jahren gemacht,
dass gerade, wenn man im Sommer auf Schlössern oder Burgen spielt, wir eigentlich schon sehr gemischtes Publikum haben.
Also ob das nun tatsächlich Klassikfans sind, das kann ich so nicht beurteilen, aber das geht so von 5 bis 90, das ist da alles zu finden vom Alter her.
Das geht auch durch alle Musikspektren durch, das ist natürlich in Clubs in denen wir im Winter spielen anders, weil da gehen die älteren Leute einfach nicht hin.
Aber im Sommer aben wir da eh schon ne ganz gute Mischung. Also wir wollen jetzt nicht mit Absicht mit der Carmina Burana Klassiker und alte Leute erreichen, aber wir
haben natürlich überhaupt gar nichts dagegen, weil wir haben noch nie das Ziel gehabt ein bestimmtes Publikum anzusprechen.
Also wir machen Musik einfach, damit sich die Leute darüber freuen.
Deadfall:
Also würdet ihr euch auch durchaus drüber freuen, wenn da jemand mit einem Frack oder ne Gruppe von Leuten in feinen Anzügen auftauchen?
Harmann:
Naja, natürlich. Ich meine, daneben sitzen dann sowieso zwei Ritter in ner Rüstung, daneben sind Barbaren und dann hat man irgendwie nen paar Metaller und nen paar Gothics.
Das wird eh total gemischt sein. Das is nen Mordsspaß, Leute die dich normalerweise auf der Straße schräg angucken auf so einem Konzert zu vereinen, das fetzt natürlich.
Deadfall:
Was war für euch die größte Herausforderung bei der Umsetzung der Carmina Burana?
Harmann:
Also die größte Herausforderung war schon tatsächlich, dass wir uns das erste Mal konzentriert mit Klassik beschäftigt haben.
Das heisst, dass wir halt dieses Instrumentarium mit einbezogen haben, dazu ein symphonisches Orchester und nen Chor, das war natürlich schon was neues.
Wir haben ja mit der Carmina Burana schon lange gearbeitet, in den letzten 16 Jahren haben wir ja mit unseren Veröffentlichungen auch immer
wieder Titel, die auf der Carmina Burana basieren auch mal angeboten. Und die Idee lag nahe, da diese größte Sammlung
in ganz Europa von weltlicher Musik ausm Mittelalter, auch noch in Deutschland gefunden werden kann, dass man sagt "jetzt machen wir einfach mal ein Album
wo wir konzeptmäßig nur Texte aus der Carmina Burana nehmen".
Aber das eigentlich neue war tatsächlich für mich zum Beispiel als Schlagzeuger, ich habe mich halt um die ganzen Drum-Arangements gekümmert. Ich hatte
da halt nicht nur uns drei als Corvus Corax Trommler, sondern ich hatte Pauken und Becken und auch sowas wie Triangel und nen Haufen weiterer Instrumente,
die ich halt alle dann mit einbauen konnte, das war natürlich auch ne großartige Sache für uns alle.
Deadfall:
Ok, nächste Frage: Ein Sprichwort besagt "Der Weg ist das Ziel". Trifft das auch hier zu? Wenn ja, seid ihr trotzdem froh, dass sich die Projekt
nun der Vollendung zuneigt oder seht ihr das ganze mit einem lachenden und einem weinenden Auge?
Harmann:
*amüsiert* Das ist lustig, ich hab vor Jahren mal nen Menschen gesehen, der hatte nen T-Shirt an, da stand drauf "das Ziel ist der Weg", das fand ich auch eine
sehr schöne Adaption davon.
Na ich mein, wir haben ja schon ne bestimme Art und Weise, wie wir unsere Musik machen. Aber das ist wie ne Evolution wenn man Musik macht, das ist eine Entwicklung.
Da kann man in beiden Fällen glaube ich nicht von nem Ziel reden, also weder in der Evolution noch im Musikmachen, das entwickelt sich.
Und wir machen jetzt Musik und in 10 Jahren werden wir vielleicht wieder was ganz anderes machen. Ich meine, das ist natürlich jetzt ein riesen Aufwand
gewesen, die Studioroduktion war schon enorm und jetzt noch diese ganze Live-Geschichte auf die Beine zu stellen. Da wir das auch noch selber veranstalten war
das natürlich nochmal ein Monster-Kraftakt, aber es funktioniert alles, es klappt. Und ich denke mal, wenn wir dann in Berlin unsere Aufführung hatten am 19./20. August,
dann werden wir schon auch erstmal so ein bißchen aufatmen, dann ist auch schon die CD veröffentlicht.
Ja und dann ist klar, wir wollen nächstes Jahr auf jeden Fall auch noch häufiger aufführen, ist natürlich auch immer ne finanzielle Sache, weil wir sind
da locker 160 Leute auf der Bühne, das kann man nicht einfach mal so schnell irgendwo auf die Bühne bringen. Also da brauch man natürlich auch vernünftige Veranstaltungsorte,
und Veranstalter, die sowas überhaupt bezahlen können - also das ist kein Schlussstrich, das geht jetzt immer so weiter *lacht*
Deadfall:
Ok, das beantwortet die Frage ja ziemlich auschweifend *grins*.
Ja dann dachte ich mir, ob dir vielleicht irgendwie spontan ne kleine lustige Geschichte oder Anekdote einfällt, die bei der Entstehung/Planung/Proben entstanden ist?
Harmann:
Anekdoten zur Entstehung... also eine kleine interessante Geschichte war, dass in der Carmina Burana ja so 250 bis 350 verschiedene Texte, je nachdem wie man die einzelnen Passagen zählt.
Und wir haben zwar zusammen im Studio gearbeitet, aber haben halt auch ab und zu mal jeder für sich in der Carmina Burana geblättert, jeder von uns hat halt das Buch auch zu Hause.
Dann passierte das halt, dass bei zwei Titeln der gleiche Text auftauchte, die haben dann ich und Castus parrallel uns rausgesucht hatten. Aus nem Buch wo über 300 Texte drin sind, da waren wir schon sehr erstaunt, wie sowas passieren kann *lacht*.
Ne andere Anekdote war bei unserer Generalprobe in Cottbus: vor der ersten Probe hatten dann die Orchestermusiker son bißchen gefrostelt, weil eigentlich waren die davon überzeugt, dass sie relativ leise spielen müssen,
da wir ja nun nur acht Leute sind. Und als wir dann bei der ersten gemeinsamen Probe den ersten Ton gespielt haben, sind den Leuten fast die Instrumente aus der Hand gefallen. Weil sie mit
Schrecken feststellen mussten, dass wir viel lauter sind als das ganze Orchester zusammen *lacht*.
Das hat uns auch selber nen bißchen überrascht, der Haken ist natürlich, dass wir uns da jetzt auch sehr viel mit der Mikrofonierung beschäftigen müssen, weil wir acht Leute sind tatsächlich lauter als die restlichen 150/160.
Da waren wir dann doch selber überrascht, wir wussten ja, dass wir laute Instrumente haben, aber dass wir da ein symphonisches Orchester und noch nen Opernchor sozusagen an die Wand spielen, da haben wir nun nicht mit gerechnet.
Deadfall:
Das heisst, die werden jetzt irgendwie lauter gemacht oder müsst ihr... wie funktioniert das?
Harmann:
Naja, man kann uns natürlich nicht leiser machen, entweder unsere Instrumente sind an oder aus.
Es wird halt ein vernünftiges Soundsystem geben und die ganzen Instrumente vom Orchester und auch die Chorsänger und -sängerinnen die werden halt über Mikrofon verstärkt, damit man halt von der Akustik her ein vernünfitges Verhältnis kriegt.
Deadfall:
Konntet ihr denn alles so umsetzen wie ihr es eigentlich wolltet oder seid ihr an bestimmten Stellen noch unzufrieden?
Harmann:
Ne ähm erstaunlicher Weise nicht, also wir sind nicht unzufrieden *lacht*
Deadfall:
Also ist alles wirklich auch so, wie ihr euch das im Vorfeld mal gedacht hattet?
Harmann:
Naja, also wir hatten einfach die Idee und haben eigentlich nicht so richtig drüber nachgedacht, wie das ganze tatsächlich endet.
Irgendwann waren wir in sonem Schaffensprozess, wo wir eigentlich den Rest der Welt gar nicht mehr mitbekommen haben, und ich war auch selber
mächtig überrascht, als ich dann das erste Mal alles zusammen gehört habe. Und das bin ich auch jetzt immer noch, ich bin erstaunt, was wir da auf die Beine gestellt haben.
Deadfall:
Ok, nächste Frage: da ihr ja nun eine Band seid, die sehr gerne experimentiert, denkt man alleine an euer Projekt Tanzwut oder an Alben wie "Märchen aus alter Zeit", "In Electronica" und jetzt der Carmina Burana... schon etwas Neues im Blickfeld, bzw eine Idee was kommen mag?
Harmann:
Also irgendwelche wahnwitzigen Projekte haben wir ja sowieso immer heimlich nebenher, aber da wissen die meisten Leute eh nichts von, das ist ja alles noch viel experimenteller *lacht*. Also da haben wir schon auch noch was.
Aber jetzt das, was wir so als Corvus Corax/Tanzwut öffentlich machen... also wir haben jetzt gerade die neue Tanzwut CD fast fertig, also da haben wir jetzt die ganzen Songs schon fertig geschrieben, das werden wir dann nach dem Sommer auch alles aufnehmen.
Aber das ist trotzdem Tanzwut, also das ist nicht irgendwie neuer Wahnsinn.
Deadfall:
Und das habt ihr nebenbei jetzt gemacht?
Harmann:
Ja, schnell noch *lacht*.
Also wir haben jetzt schon 18 oder 19 Titel fertig, da müssen wir noch überlegen, ob wir da noch ein paar wieder von wegwerfen oder gleich ne Doppel-CD machen, mal schauen.
Ansonsten, so wie wir das jetzt mit der Carmina Burana gemacht haben, werden wir auch sicherlich in der Zukunft schon noch zwei/drei Veröffentlichungen auf jeden Fall machen.
Weil das macht einfach Spaß. So wie Corvus Corax, wo man sich einfach auf die Bühne stellt und im Endeffekt gar keine Mikrofone braucht, sondern gleich loslegen kann, genauso macht es auch Spaß in so einem riesigen akustischen Gebilde drinzustecken.
Das Gute bzw. Interessante an der ganzen Carmina Burana ist, dass wir ja selber mit rein akustischem Instrumentarium kommen und das aus dem Orchester letztlich halt auch nur reine "Naturinstrumente" sind. Das ist im Endeffekt schon so ein ganz bestimmter Klang, den wir da zusammen musizieren.
Das wollen wir in jedem Fall auch weiter so machen.
Deadfall:
Na das ist doch schön zu hören
Harmann:
Joa *lacht*
Deadfall:
Dann interessiert mich folgende Frage: Was hälst du davon, dass so viele Bands bestimmte Songs wie z.B. "Totus Floreo" neu interpretieren oder neu aufnehmen? Ist das interresant oder eher nervig?
Harmann:
Naja, wir haben ja gerade auf unseren älteren CDs sehr sehr viele Sachen drauf, wo wir halt wirklich geschaut haben in den Archiven, da gabs im Endeffekt ja noch kein Internet, wir mussten also wirklich in Büchereien gehen.
Es gibt ja eigentlich genug Melodien aus dem Mittelalter, aber tatsächlich sind das nur eine Art Melodiefragmente. Man hatte also selten mal so richtig ein Lied, wo man weiß wie das funktioniert hat.
Man hat Text oder man hat eine Melodie. Es gibt auch Fälle, da hat man beides zusammen, aber in der Carmina Burana zum Beispiel sind eigentlich nur Texte überliefert und fast keine Musik, mit ganz wenigen Ausnahmen.
Das Interessante ist natürlich, wenn man solche Fragmente findet, wo auch kein Rhythmus dazu geschrieben ist, wo das nicht notiert wurde und man weiß nie, was halt so getrommelt wurde. Da ist es ja spannend, wenn da andere Leute
die gleichen Quellen wussten, wie die das dann neu interpretieren, das find ich wirklich sehr interessant.
Total uninteressant und wirklich auf Dauer schon nervtötend, wenn es da etliche Bands gibt, die sich dann nicht die Mühe machen und auch mal die Originale nehmen und die neu bearbeiten, sondern das so, wie es halt gespielt wird nachspielen.
Das ist natürlich eigentlich total öde und macht keinen Spaß.
Wir haben beispielsweise, als wir jetzt eine alte Melodie verarbeitet haben, uns damit richtig auseinander gesetzt und uns dazu eine Rhythmik überlegt usw.
Dann macht das ja keinen Sinn, wenn eine andere Band das einfach so nachspielt... und dann wird noch nicht mal gesagt, dass das ist eine Cover-Version ist, sondern es wird einfach gesagt "das ist traditionell". Aber wenn man das mal ganz genau
betrachtet, stimmt das ja überhaupt nicht, weil in der Tradition ist das niemals so überliefert worden, wie wir das machen.
Andererseits muss man auch sagen ok, soll jeder so machen, wie er will. Nur ich würde mich als Band selber irgendwann anfangen zu ärgern, wenn ich nicht meine eigenen Stücke erarbeitet habe, sagen wir es mal so.
Deadfall:
Habt ihr eigentlich auch vor im Ausland aufzutreten mit der Carmina Burana, ist da schon was geplant?
Harmann:
Ja, also das ist noch in der Vorbereitung. Wir haben erstaunlicherweise über unseren Dirigenten schon sehr gute Kontakte nach China, also werden wir das sicherlich auch da irgendwie aufführen.
Wahrscheinlich aber nicht nächstes sondern übernächstes Jahr. Aber für solche Veranstaltungen sind immer sehr viele Vorbereitungen zu machen, also das dauert so zwei bis drei Jahre. Aber da haben wir schon ne Menge vor, es gibt auch schon
oft Interesse aus dem Ausland, wir müssen aber erstmal gucken, dass die CD veröffentlicht wird.
Deadfall:
Was hört ihr denn privat so für Musik, wenn ihr denn mal dazu kommt? Ähnlich mittelalterlich oder auch mal was völlig anderes?
Harmann:
Eigentlich was völlig anderes. Also es ist sicherlich auch öfters mal mittelalterliche Musik dabei, aber wenn jetzt jeder einzelne von uns gefragt wird, wird das eh schonmal sehr unterschiedlich sein. Aber es gibt unendlich viele Musikrichtungen auf diesem Planeten
und dabei gibt es gleichermaßen gerecht verteilt unmöglichen Quatsch. Es gibt aber auch genauso viel gute Bands egal was es in der Musik gibt und da hör ich mir eigentlich so gut wie alles an. Also das geht von "Dead Can Dance" bis "Napalm Death", da ist bei mir jetzt zum Beispiel alles drin.
Deadfall:
Dann eine Frage zu eurer Uraufführung, das ist ja nun quasi die offizielle Weltpremiere von der Carmina Burana, wenn ihr dann in Wacken spielt. Nun ist das ja nun kein unproblematisches bzw. unkritisches Publikum, was für Reaktionen erwartet oder erhofft ihr euch denn von den Metalheads?
Harmann:
Das ist natürlich jetzt im Vorfeld sehr schwierig zu beurteilen. Sagen wir mal so: die Vorraussetzung ist natürlich hammerhart für uns, die CD ist noch gar nicht veröffentlicht, das heisst die Leute werden die Songs überhaupt gar nicht kennen. Dann kommen wir ja nun mit keiner sagen wir mal verzerrten Gitarre
und nichts, was irgendwie Rock and Roll in dem Sinne ist karren wir da an *lacht*.
Eigentlich ja denkbar schlechte Voraussetzungen auf nem Metal-Festival, aber ich meine, ich hab früher auch ziemlich lang in ner Metalband gespielt und ich kenn da eigentlich auch sehr viel Leute aus der Metalszene und da war schon
auch immer eine gewisse Offenheit auch anderen Musikrichtungen gegenüber, also mehr als ich das von anderen Musikrichtungen so kenne, wo die Leute doch sehr auf ihren eigenen Stil Acht geben. Die Metaller sind da aus meiner Erfahrung sehr offen und außerdem ist da auch so ein gewisser Hang zum Bombast zu bemerken.
Also bombastische Musik - und dann ist das auch egal ob das jetzt mit Gitarre oder ohne ist - kommt so in der Szene sehr gut an. Also das ist einfach so, meine ganzen Metal-Kumpels, die haben auch diese Wagner Overtüren zu Hause, dann gibt es noch die eine oder andere Filmmusik, Excalibur und der ganze Krempel und das finden sie halt toll.
Und das ist ja auch toll, das ist zum Beispiel Klassik, die hör ich mir auch sehr gerne an. Also wo es halt so - *überlegt* - sagen wir mal es rumst im Karton *lacht*.
Ich hör mir ja im Endeffekt heute auch keine Radio-Popmusik an und in dem Sinne hör ich mir auch die dem entsprechende Klassik nicht an. Also mal so gesagt: Gedudel kann ich nicht leiden. Das kann man von mir aus gerne an der Seite liegen lassen, es gibt natürlich auch immer Sachen die letztlich cool sind.
Aber es ist natürlich trotzdem sehr spannend dieses Auftreten auf Wacken. Ich habe überhaupt keine Ahnung.
Deadfall:
Aber letztlich schon optimistisch, wie ich das rausgehört habe.
Harmann:
Naja, optimistisch bin ich bei jedem Konzert. Im Endeffekt meine ich, wenn die Leute sehen, dass man Spaß auf der Bühne hat, haut das irgendwie auch immer hin. Wir haben mit Corvus Corax schon auf den unterschiedlichsten Festivals gespielt, wir haben auch auf lupenreinen Metal-Festivals gespielt, da standen wir einfach zu acht auf der Bühne, noch
nicht mal mit Bombast, sondern nur fünf Dudelsackspieler und drei Trommler und die Leute haben trotzdem gefeiert. Also das haut schon hin, auf jeden Fall.
Deadfall:
Die sind ja auch nicht ganz unverwandt die Szenen oder Musikrichtungen, insofern ist das ja auch nicht ganz so problematisch. Ist also schon fast das optimale Festival würde ich sagen, man hat letztlich den gesamten Querschnitt.
Harmann:
Ja eigentlich schon, aber was da passiert - ich weiß es echt nicht. Also Lampenfieber werden wir trotzdem haben *lacht*.
Deadfall:
Gut, dann dachte ich mir zum Schluss noch so ein kurzes Spontanspiel, sprich ich sag dir einen Begriff und du sagst mir ganz spontan in 1-2 Worten, was dir dazu einfällt
Harmann:
Aha ok
Deadfall:
Mittelaltermusik + Elektronik
Harmann:
Da sollten sich ein paar mehr Bands ranwagen, weil das echt ganz spannende Lösungen sein können. Wir haben versucht auf unserer "In Electronica" das den Leuten mal ein bißchen vorzuführen.
Deadfall:
Bier
Harmann:
Was? Wir?
Deadfall:
Bier
Harmann:
Ja wir ähm. Wir sind einfach ein Haufen Wahnsinniger, die sich im Laufe der Jahre zusammen gefunden haben um konsequent einer Sache nachzugehen.
Deadfall:
Ich meinte eher das Bier mit einem B vorne, wie Bertha
Harmann:
Ach wie Bertha, achso. Ja das hatte ich falsch verstanden, sorry *lacht*.
Bier, ja unersättlich. Wir sind da sehr unersättlich, wir trinken sehr gerne Bier, auf jeden Fall um abends so ein bißchen mal zu feiern muss das schon sein.
Also Bier und auch mal Wein zu trinken ist schon sehr schön, wenn man es nicht übertreibt.
Deadfall:
Ok, das war sehr diplomatisch jetzt.
Harmann *lacht*
Deadfall:
Was hast du lieber - Festivals oder einzelne Konzerte?
Harmann:
Kann man nicht gegeneinander aufrechnen, weil bei kleinen Konzerten oder auch wenn wir eigene Konzerte machen, da hat man die eigenen Rahmenbedingungen, alles ist super.
Aber auf Festivals hat man total viele Leute, die einen überhaupt gar nicht kennen und einen noch nie gesehen haben und da macht es auch wiederum richtig Spaß auch die an den Haken zu ziehen, dass die feiern.
Also das eine ist die geile Privatparty und das andere ist mehr so dieser Sportsgeist, es tatsächlich zu schaffen, dass alle gute Laune haben.
Deadfall:
Saltatio Mortis, eure Kollegen.
Harmann:
Saltatio Mortis? Also zu anderen Bands sagen wir eigentlich prinzipiell überhaupt gar nichts *lacht*
Deadfall:
Pop-Musik
Harmann:
Hm, ein sehr weitläufiger Begriff, eigentlich genauso sinnlos wie das Wort Klassik oder Unterhaltungsmusik
Deadfall:
Ja, du weißt doch was ich meine, sagen wir mal so: Chart-Musik
Harmann:
Chart-Musik, na das ist was anderes. Also manche Bands verlaufen sich zwar manchmal in die Top 10, denen man das nicht verübeln kann, weil es halt viele Leute gibt, die gut finden, weil es tatsächlich gute Bands sind.
Aber das meiste ist natürlich Musik.. also da habe ich ja gar keinen Respekt vor. Also sagen wir es so, ob es ein Maler, ein Dichter oder auch ein Musiker ist: es gibt immer Handwerker und es gibt Leute die Künstler sind.
Handwerker zum Beispiel sind die, die die Groschenromane schreiben oder halt auch nach Schema-F diese Radiohits produzieren, das sind aber keine Künstler, das sind Handwerker. Ich hab aber jetzt auch nichts gegen Handwerker, man sollte da nur
eine Unterscheidung machen, es gibt Künstler und es gibt Handwerker - ohne Wertung *lacht*.
Deadfall:
Ohne Wertung ok, das sagt ja eigentlich schon genug.
Deadfall:
mp3-Downloads aus dem Internet
Harmann:
Eigentlich eine total geniale neue Variante Bands oder auch junge Bands bekannt zu machen. Eine Möglichkeit, die man vor 10 oder 20 Jahren halt nicht hatte, sich auch selber zu promoten. Und man muss keine CDs pressen, wo man das Geld ja sowieso nicht hat oder
sich tausende von Kassetten machen, ich kenn das noch von früher, das hat alles immer Geld gekostet. Und jetzt hat man die Möglichkeit seine eigenen Songs der Menge ans Ohr zu bringen, ohne, dass man im Endeffekt großartig Ausgaben hat.
Ich finds eigentlich total geil.
Das mit der Brennerei ist, wenn es einfach mal irgendwann zu viel wird, eine Sache, die echt an die Substanz geht. Weil man ja als Musiker ja auch nicht nur von Konzerten leben kann, man versucht ja auch anderweitig Geld zum Beispiel für den Verkauf von CDs zu bekommen.
Andererseits, früher haben wir auch alle wie blöd Kassetten gezogen, ich habe zu Hause auch noch hunderte von Kassetten rumliegen. Irgendwann hab ich mir dann die Platten dazugekauft, die ich total cool fand, egal ob ich die schon auf Kassette hatte oder auf CD.
Und wenn man irgendwas richtig cool findet, ich glaube man kauft sich das dann trotzdem. Ich gehör jetzt nicht zu den Menschen, die da sone Kampfansage gegen Leute machen, die brennen.
Aber mp3-Downloads wie gesagt finde ich, ist eigentlich eine Revolution. Wer sich da drüber aufregt ist wirklich einer von ganz ganz weit gestern.
Deadfall:
Das ist natürlich eine Meinung die einen erfreut, besonderse als Internetnutzer.
Harmann *lacht*
Deadfall:
Zum Ende hin noch irgendwelche Danksagungen, Grüße oder sonstiges von deiner Seite aus?
Harmann:
Na ein Dank geht auf jeden Fall an dich und deine ganze Bande. Naja weil das ist cool, dass sich die Leute auch um die Bands kümmern, das ist wirklich wichtig.
Und ansonsten immer bedenken: die Erde ist ne verdammte Scheibe, also nicht zu weit rausfahren, dann fallt ihr runter *lacht*.
Deadfall:
Gut zu wissen *lacht*.
Ich bedanke mich ganz herzlich bei dir, grüß deine Leute und ich wünsche euch viel Erfolg für die Carmina Burana.
(rd) |
| Interview Details |
Official Homepage |
Lineup:
Hatz - kleine Trommeln, Becken, Gongs
Harmann Der Drescher - tiefe Trommeln
Der Kalauer - Pauken
Wim - Dudelsäcke, Schalmeien, Zinken
Meister Selbfried - Dudelsäcke, Schalmeien, Bombarde, Flöten, Nachtigall, Zink
Ardor Vom Venushügel - Dudelsäcke, Schalmeien, Drummscheid
Teufel - Dudelsäcke, Schalmeien
Castus Rabensang - Vocals, Dudelsäcke, Binjou, Schalmeien, Bombarde, Cister, Drumscheid, Drehleier, Saiteninstrumente
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Interviewed by: Cho
Interview Date: 18.7.2005
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