Im Rahmen des Wacken Open Airs 2005 hatten Niethan, Fenris und
FallenUnicorn die Möglichkeit mit Wilska, seines Zeichens Sänger der
Humppa/Folk Metal Band Finntroll, über Wacken, Zukunftspläne und
natürlich übers Trinken zu sprechen.
Freust du dich schon auf euren Auftritt in ein paar Stunden?
Oh ja, also, deshalb sind wir doch hier und es ist doch das was
unsere Band ausmacht. Die Band existiert nur um live zu spielen. Ich
versuche nur grade diesen Kater loszuwerden um dann da raus zu gehen um
das zu tun, was wir am besten können.
Hast du heute schon wieder mit dem Saufen angefangen?
Ich fing schon in dem Moment an zu trinken, in dem ich meine Augen
öffnete, obwohl wir gestern bereits etwas zu viel hatten. Das letzte
woran ich mich erinnere ist, dass ich mir Samael schon sturzbetrunken
vom Publikum aus anschaute – und du hast es hier nicht mit Profis zu
tun, deshalb habe ich auch noch eine Flasche unter mein Kopfkissen in
unseren Bus geschmuggelt.
Wie hat dir Samael gefallen, fandest du sie OK?
Ja, sie waren OK. Ich habe das alte Samaelzeug schon immer mehr
gemocht. Die neuen Sachen sind ehr gute Partymusik, aber sie haben eine
höllisch gute Liveshow.
Wie war gestern das Publikum bei Samael und was erwartest du für euren
Auftritt?
Ich vertraue da unseren treuen Fans, dass sie ihre Ärsche
hochkriegen und einfach bei der Party mitmachen. Ich meine, allein schon
in Wacken zu spielen, dem legendärsten Festival Europas, ist ein
großartiges Gefühl und deshalb denke ich, dass es einfach gut werden
wird.
Wie oft warst du schon in Wacken?
Das ist, wenn ich ehrlich bin, mein erstes Mal, aber Finntroll haben
hier schon 2001 oder 2002 in der alten Besetzung gespielt.
Und als Gast?
Nein, noch nie. Die anderen Jungs waren schon hier in den letzten
Sommern, aber für mich ist es das erste Mal.
Ihr habt auf dem Dong Open Air gespielt. Was macht den Unterschied aus
zum W:O:A?
Der Unterschied ist ..vielleicht 60.000 Menschen? Aber genau kann
ich es nicht sagen.. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht auf dem Dong Open
Air zu spielen, es war so ein nettes Festival. Als ich noch jünger war
haben wir mit ein paar Freunden unser eigenes, kleines Eintagesfestival
in unserer Heimatstadt auf die Beine gestellt und das Dong Open Air war
halt wie mit diesen paar Freunden. Eines Morgens bin ich aufgewacht:
„Hey Jungs, wir brauchen unser eigenes Festival, lasst es uns anpacken“.
Deshalb wusste ich das sehr zu schätzen und mochte es sehr - die
Atmosphäre auf dem Festival war großartig. Wir hätten besser sein
können, wir verbrachten dort einfach den ganzen Tag und wurden
unfreiwillig ganz schön betrunken.
Vor ein paar Wochen konnten wir lesen, dass ihr mit Horgh von Hypocrisy
gefeiert habt und er anschließend ins Krankenahus musste. Was ist
passiert?
Ja, da haben die deutschen Notfallteams vielleicht etwas
überreagiert. Wir waren auf dem Earthshaker Festival und haben am
Donnerstag gespielt, vor unseren Freunden von Hypocrisy. Dimmu Borgir
spielten dann aber erst am Samstag, so dass der Freitag in Großen und
Ganzen frei war. Wie gewöhnlich veranstalteten wir unsere finnish-
norwegisch-schwedischen Saufmeisterschaften und Horgh ist eigentlich nur
weggetreten, aber die Erste-Hilfe-Mannschaften haben etwas heftig
reagiert, weil sie dachten, dass er eine Überdosis Drogen genommen hatte
und haben ihn mit Adrenalin und dem ganzen Zeug vollgepumpt. (lacht) Das
ist es, was man bekommt, wenn man mit uns trinkt!
Welche Drinks oder Biere bevorzugst du?
Also, mein liebster Drink aller Zeiten ist Alkohol und wird nur
geschlagen von meinem wirklichen Favoriten Gratis-Alkohol. Für
gewöhnlich ist das Bier und Vodka. Wir haben dieses Nationalgetränk
unserer Band namens „Fiskarens Fiende”. Du nimmst einfach einen Liter
Vodka und schüttest eine Tüte „Fisherman’s Friend“ hinein und lässt
diese sich auflösen. Das ergibt dieses ‚braune Wasser’, welches wirklich
... tückisch ist.
Die Frage, an dessen Antwort wohl die meisten interessiert sein dürften
ist: Wann wird es ein neues Album geben?
Wir planen das Album vor dem nächsten Sommer raus zu bringen,
vermutlich im späten Frühling. Wir spielen jetzt diese paar Festivals,
fahren dann nach Hause und schreiben noch ein paar neue Songs und
konzentrieren uns dann auf die Vorproduktion. Im Januar gehen wir dann
auf eine U.S.-Tour mit Sodom und werden dann vermutlich direkt im
Anschluss ins Studio gehen.
Und wie wird es klingen? Habt ihr da schon irgendwelche Pläne?
Auf den Demos die ich bis jetzt gehört habe, probieren wir uns etwas
aus als Teile neuer Songs. Wir versuchen wieder die Grenzen etwas zu
erweitern. Es gibt etliche Sachen, die ich an dem neuen Material mag. Es
schleicht sich auf der einen Seite beispielsweise ein schwedischer old-
school Death Metal-Vibe ein, auf der anderen Seite experimentieren wir
mit einigen neuen ethnischen Einflüssen. Es gibt ein paar Melodien und
Rhythmen aus dem Mittleren Osten die wir ausprobieren. Ich weiß noch
nicht, das Album wird auf jeden Fall Finntroll werden, aber lasst uns
abwarten, was wir alles in Spektrum werfen können beim nächsten Mal.
Du hast gerade den Mittleren Osten erwähnt. Wie sind die Resonanzen auf
Finntroll aus Asien oder den USA? Wie viele Fans habt ihr dort?
Das einzige, was ich mitbekommen habe ist, dass ein erwähnenswerter
Teil der Fanpost, die uns erreicht, auch aus Kanada und den Vereinigten
Staaten kommt. Natürlich ist Europa unser Standbein, doch bekommen wir
mehr und mehr Zuspruch besonders aus Kanada. Bisher habe ich nur gehört,
dass unser letztes Album in die Japanischen Import Charts, in die Metal
Charts, eingestiegen sein soll - sogar auf Platz 5. Die einzige Fanmail,
die ich aus dem Mittleren Osten bekommen habe, war von einem
amerikanischen Army Sergeant, der uns e-mailte: „Ich liebe euer Album
wirklich und wir haben die Trollhammaren EP in unserem Panzer donnern
lassen, als wir in Bagdad eingefallen sind.“, was für einen alten Punk
wie mich irgendwie war, wie „Oh—kay?! Was auch immer Kumpel...schön zu
hören, aber schert euch zur Hölle da raus!“
Hast du ihm geantwortet oder ihn einfach ignoriert?
„Ich weiß, es ist Krieg in Bagdad und ich habe dafür Verständnis und
für alles was euch sonst so den Kick gibt.. und obwohl du uns magst usw., aber
‚Die for oil, sucker!’”
Plant ihr eine Tour nach dem Album?
Also, eigentlich ist sie ja vor dem Album. Wir beginnen unsere U.S.
-Kanada Tour am 6. Januar in Springfield und werden dort Sodom
supporten, was vor allem für mich einen Traum wahr werden lässt. Ich bin
ein riesiger Fan des alten deutschen Thrash Metals seitdem ich 13 war
und mit Sodom auf Tour zu gehen ist einfach nur: „Oh Mann!“ Wir haben
jetzt 7 bestätigte Termine und es werden noch einige folgen, so dass es
wohl ein ganzer Monat werden wird.
Wirst du dir auch Onkel Tom heute Abend anschauen?
Ahh..sicher! Ich bin bestens für heute Abend vorbereitet. Wenn wir
mit unserer Show fertig sind, werde ich wieder ziemlich betrunken sein
und einen Moshpit bei Accept beginnen und werde mir dann vollkommen
besoffen Onkel Tom anschauen.
Welche anderen Band hast du dir angesehen?
Naja.. auf diesem Festival habe ich alle Bands verpasst, die ich
wirklich sehen wollte. Ich meine, wir sind erst am Freitag angekommen,
darum habe ich Candlemass versäumt. Gestern habe ich mir nur Bloodbath
und Metal Church für einen kurzen Moment angeschaut und heute habe ich
die Interviews und das ganze Zeug, darum habe ich schon wieder
Dissection und Count Raven verpasst. Also warte ich nun auf Accept und
Onkel Tom.
Das tut uns Leid. Neben den Bands, die du erwähnt hast, spielen auch eine
Menge Folk Metal Bands hier in Wacken (Ensiferum, Turisas, Equilibrium).
Was denkst du über die letzten Entwicklungen der ganzen Folk Metal
Bewegung und warum dieses Genre in den letzten Jahren so erfolgreich
geworden ist? Bist du der Ansicht, dass sie euch ähnlich sind?
Also, jeder feiert dazu gerne! Ich meine, Ich schätze Ensiferum
sehr, sie sind fabelhaft und für uns eigentlich wie enge Verwandte.
Turisas sind eine großartige Liveband. Ich habe bei ihnen sehr viel Spaß
gehabt. Und natürlich gibt es da noch andere Bands dieses Genres, wie
Thyrfing aus Schweden, oder Lumsk aus Norwegen, welches die beste Band
ist, die Norwegen seit vielen Jahren hervorgebracht hat. Ich bin einfach
nur überwältigt, von dem Album, das sie gemacht haben. Wie in jedem
Genre gibt es Bands, die ihren eigenen Weg finden und andere die in ihren
Fußstapfen wachsen. Ich weiß es zu würdigen, dass es Bands gibt, die
sich gerade ein großes Genre teilen. Du weißt immer wenn du uns,
Ensiferum, Turisas usw. hörst, dass es genau diese Band ist, die ihre
eigene Identität besitzt.
Und seht ihr euch als eine Art Väter der Szene?
Keinesfalls. Die Urväter der ganzen Folk Metal Szene waren schon
Skyclad vor uns. Ich will das nicht ausdehnen – wir machen unser eigenes
Ding und das ist es, was uns wichtig ist. Jeder kann machen was er will,
nur wir sind halt etwas älter.
Das, was Finntroll so einzigartig macht, ist der Einfluss von „Humppa“.
Gibt es eigentlich dafür eine genaue Definition?
(denkt) Ich habe keine Ahnung. Wir wuchsen in Finnland mit dieser
Musik auf, es ist das, was die älteren Leute hören. Rein vom
musikalischen Standpunkt betrachtet, ist das Humppaelement in unseren
Songs nicht so groß, es ist lediglich der Rhythmus des Schlagzeugs und
des Bass, welches die Musik vorantreibt. Der eigentlich Grund dafür,
warum wir es benutzen und es mit Black Metal kombieren ist, dass es der
Musik einen gewissen Groove verleiht.
Welches ist dein persönlicher Favorit unter den Finntroll Alben?
(denkt) Da muss ich wohl sagen „Midnattens Widunder“, weil es das
erste Mal war, dass ich von Finntroll hörte. Ich kannte die Jungs schon
seit Ewigkeiten und bevor ich dort Sänger wurde, arbeitete ich als
Soundtechniker für Finntroll bei ihren Auftritten. Und ich habe immer
noch einen Platz in meinem Herzen für „Midnattens Widunder“, weil ich
zuvor nicht eine Note der Band und von den Jungs, die kannte, gehört
habe - die Musik sollte nur angeblich anders sein. Dann kamen sie in meine
Heimatstadt um ihr Album aufzunehmen, ich kam rein und hörte es mir
an und dachte: „What the fuck is going on with these guys?!“
Und es gibt immer noch Material auf diesem Album, das wir lieben live zu
spielen. Natürlich liebe ich auch das neue Album und es ist ein Album hinter
dem ich zu hundert Prozent stehen kann, aber das erste hat schon etwas
Besonderes.
Solltest du Finntroll in genau drei Worten beschreiben, welche wären
das?
Shit, Crap, Bullshit (allgemeines Gelächter) .. Drunkenass-Finnish-
Metal!
In euren Texten singst du über Trolle und all solch „märchenhaftes“
Zeug. Erfindet ihr diese selbst oder basieren sie auf existierenden
Geschichten?
Nein, wir erfinden sie selbst. Also, die Einflüsse kommen schon aus
Legenden, wie z.B. aus finnischen Märchen oder ähnlichem, aber wir
schreiben immer eigene. Für gewöhnlich versuche ich, wenn ich Texte
schreibe, die Welt die unser alter Sänger Katla geschaffen hat weiter zu
entwickeln. Wir sind da nicht sehr eingeschränkt, wir verwenden
Einflüsse aus alten skandinavischen Mythen, den Legenden, den Märchen,
ein wenig Ron Howard, Conan und all das Zeug und ein wenig der wahren,
alten Mythologie. Wir nehmen die ganzen Einflüsse und versuchen sie zu
kombinieren zu dieser, unseren Welt.
Wenn du Texte schreibst stellst du dir also vor, dass man zu Trollen gut
Trinken und Party machen kann?
(lacht) Diese Trollsache und die Mythologien sind nur eine Ebene.
Wir versuchen aber auch solche Sachen hinein zu bringen, die uns wichtig
sind. Es herrscht immer eine untere Strömung der Dinge, die wir über die
Welt, über Religionen oder ähnliches sagen wollen. Ich glaube diese
ganze Trollgeschichte ist eine recht gute Metapher für das, was wir
ideologisch fühlen. In der skandinavischen Mythologie waren die Trolle
immer die Außenseiter, diejenigen die in den Wäldern und Höhlen zu Hause
sind. Lass es mich so ausdrücken, ich bin kein großer Freund der
modernen Welt, weil wir, die Menschheit, die Verbindung zur Natur und zu
der Welt, die uns umgibt verloren haben und wir uns verwandelt haben in
diese ausbeutende, achtlose Bestie, dem gefährlichsten Raubtier in der
ganzen Welt. Das ist ein Teil der modernen Welt, den ich ablehnen würde,
weil ich auf dem Land groß geworden bin. Seitdem ich Kind war habe ich
gejagt, gefischt und in der Natur gelebt. Wir leben zwar jetzt in
Helsinki, doch ich bin immer noch ein ‚Redneck’ im Herzen.
Für uns ist es ja recht schwierig, das alles zu verstehen, weil eure
Texte ja in schwedisch verfasst sind. Habt ihr schon mal darüber
nachgedacht in Englisch oder einer anderen Sprache zu singen?
Nein, denn die schwedischen Texte sind ein sehr großer Bestandteil
unserer Band, sowohl vom Klang, als auch vom ganzen Konzept her.
Als ich der Sänger wurde und dann auch noch unser Freund dahin schied,
was für die Band sehr hart war, bekamen wir Vorschläge unseres
Plattenlabels wie: „Wolltet ihr eure Texte in eine andere Sprache
ändern, lass uns sagen in Englisch, könnten wir ein größeres Publikum
erreichen“. Wir hätten einfach unterschreiben können, aber eigentlich
haben wir ihnen nur gesagt sich zu verpissen. Die ganze Phonetik der
schwedischen Sprache ist so ein großer Teil von uns und wir werden daran
nichts ändern. Alles andere würde die ganze Band verändern und diese
wäre dann einfach nicht mehr Finntroll. Es gibt Leute, also Freunde von
uns, die eine Internetseite zu Verfügung stellen, auf der sie unsere
Texte ins Deutsche und ins Englische übersetzt haben. Also, wer die
Texte sucht, wird sie dort finden.
In der letzten Zeit sind viele finnische Bands wie Children of Bodom
oder Nightwish sehr erfolgrech geworden. Was denkst du darüber?
Was kann ich dazu schon sagen? Wir haben viele Bands und jeder kennt
sie. Children of Bodom schätze ich sehr, weil sie technisch und
musikalisch in einer ganz eigenen Liga spielen und außerdem sind sie
nette Jungs. Und Nighwish.. das ist eine ganz schön unfaire Frage, denn
ich bin mit Nighwish und ihrer Crew viele Jahre lang getourt und diese
Typen sind einfach meine zweite Familie und die besten Freunde, die ich
jemals hatte. An Nightwish schätze ich wirklich, dass sie ihr eigenes
Konzept und ihre eigene Musik genommen, und sie in etwas wirklich
Riesiges verwandelt haben. Das letztjährige Album ist das meist
verkaufte Album in ganz Europa und sie haben damit Madonna und Britney
Spears geschlagen. Nighwish haben ihren eigenen Sound und machen ihr
eigenes Ding. Toumas hat sein eigenes musikalisches Ideal und ist damit
fähig seine Musik auf das Level zu bringen, auf dem sie heute ist.
Während wir oft nur von neuen True Metal Bands aus Deutschland lesen,
gibt es immer etwas neues aus Finnland. Warum denkst du, sind die Finnen
so kreativ?
Das weiß ich auch nicht genau. Ich nehme an, es liegt an dem
finnischen Geist, dass man nicht einfach den leichtesten Weg wählt und
die einhundert millionste Kopie von Helloween oder was auch immer macht.
Die finnische Metal Szene ist nicht so groß. Das ganze Land ist wie eine
Familie. Ich denke, die Sache mit dem finnischen Geist ist die, dass du
versuchst deinen eigenen Sound zu finden und deine eigene Art Dinge zu
tun. Natürlich hat Finnland auch Bands, die andere Bands kopieren, aber
das was ich daran mag ist, dass diejenigen ihren eigenen Zugang dazu
finden. Das hat etwas mit der nationalen Mentalität zu tun, einfach stur
zu sein. Was auch immer du einem Finnen vorschlägst, die erste Antwort
wird sein: „Nein. Das werde ich nicht tun. Dahin werde ich nicht gehen.
Fuck you. Ich mache mein eigenes Ding.“
War das auch der Grund “Visor om Slutet” zu machen?
Das war eigentlich nur eine Idee, die schon lange in unseren Köpfen
umherschwebte und etwas, das wir einfach tun mussten, um uns zu
beweisen, dass wir so etwas auch können. Im Grunde war es auch die beste
Studioerfahrung meines Lebens. Wenn wir normalerweise Musik schreiben,
machen Trollhorn und Tundra ihre eigenen Demos in ihren eigenen Studios
mit relativ fertigen Arrangements. Und das war einfach nur ein Raum in
der Mitte des Nirgendwo. Wir saßen dort 24 Stunden für eineinhalb Wochen
und warfen uns Ideen zu, arrangierten diese, machten das Ganze fertig ..
und tranken...und gingen in die Sauna und rollten uns im Schnee. Das
wars. Das war etwas, das wir tun mussten und gleichzeitig der Wendepunkt
für die Band, denn die Erfahrung, dort für über eine Woche zu bleiben
und unsere Ideen auszutauschen, hat uns als Band, denke ich, mehr als
alles andere zusammen gebracht.
Also fühlst du dich jetzt als Teil der Band oder bist du immer noch nur
„der neue Sänger“?
Ich werde immer der neue Sänger sein. Egal ob wir nach diesem noch
zehn Alben machen, werde ich immer der Neue sein, aber ich selbst sehe
es nicht so. Ich kenne die Jungs schon ewig und bevor ich Sänger wurde,
war ich mit ihnen als Techniker auf Tour. Ich war schon immer Teil der
Familie, so dass der Schritt vom Mischpult auf die Bühne für mich nicht
so groß war. Aber natürlich hat Katla die Band und unsere ganze Welt
erschaffen. Andere Leute und ich schätzen ihn, weil er seinen ganz
persönlichen Stil bezüglich der Vocals hat und er ist ein sehr guter
Freund von mir. Es wurde noch nicht so oft gesagt, aber während der
ersten beiden Alben war Finntroll etwas mehr ein Projekt als eine Band.
Nachdem ich dazu kam, sind wir eine Menge getourt, mehr als jemals
zuvor, und das hat uns sehr zusammen gebracht. Wir haben uns den ganzen
Sommer lang darüber ausgetauscht, denn jetzt fühlen wir wie eine
richtige Band und es existiert diese wirklich enge Verbindung zwischen
uns sechs Jungs.
Welche Projekte habt ihr ansonsten neben Finntroll?
Selbstverständlich machen wir alle eine Menge Musik. Trollhorn hat
natürlich Moonsorrow, Tundra und Beast Dominator spielen in „A Shape of
Despair“, ich bin in dieser Band namens “Sethian”, die wir mit ein paar
Jungs von Nighwish haben und Skyrmer, unser Gitarrist, spielt in dieser
Stoner Rock Band namens „The Seventh Planet“. Im Großen und Ganzen waren
wir immer Musiker. Natürlich liegt unser Hauptaugenmerk auf dieser Band
und wir geben einhundert Prozent dafür, aber sich nur auf eine Band zu
konzentrieren, schränkt dich selbst ein, verschiedene Sachen zu machen,
erweitert deinen Verstand und dein Spektrum als Musiker.
Würdest du heute keine Musik machen, was würdest du tun?
Ich hätte vermutlich meinen Abschluss von der Universität. Ich weiß
nicht, ich würde wahrscheinlich als Lehrer Englisch und Schwedisch auf
dem Land unterrichten... oder einfach noch in meiner alten Heimatstadt
sitzen und ein totaler Redneck sein.
Was hältst du von dem ganzen Internet-Tauschbörsen-Netzwerk?
Zu aller erst, dein Album einen Monat vor der Veröffentlichung im
Internet zu finden ist natürlich scheiße. Jedoch haben mich diese ganzen
Musiktausch-Communitys auf eine Menge neue Bands gebracht. Ich
persönlich lade mir Musik runter, um neue Musik und neue Bands zu
finden. Das, um sein Leben zu bereichern, ist großartig, aber als
Verbrechen ist es einfach scheiße. Du musst dir ins Gedächtnis rufen,
dass wenn du dir Musik aus dem Internet runterlädst, du unsere
Möglichkeiten Musik zu machen einschränkst, denn wir tun dies ja auch um
etwas daran zu verdienen, damit wir weiter machen können und auch
weiterhin genug zu essen haben. Ich meine, du würdest ja auch kein Auto
stehlen, also warum solltest du das mit Musik tun? Das Leben ist nicht
nur Schwarz-Weiß, es gibt immer gute und schlechte Seiten...
Welche CDs drehen sich im Moment in deinem Spieler?
Die CDs, die ich in der letzten Zeit oft höre sind z.B. das neue
"System of a Down" Album „Mesmerize“, welches wirklich atemberaubend
ist, die Collectors Box von Johnny Cashs „American Recordings“, dann
gibt es da diese Folk Rock Band aus Norwegen namens ??? (A.d.R.: Das war
leider nicht zu verstehen), welche die beste Neo-Folk Rock Band ist, die
ich seit Jahren gehört habe. Wenn wir im Bus sitzen und die Party gerade
richtig abgeht, scherzen wir immer: „Ich wünschte unser die-hard Fan
Klaus aus München wäre jetzt gerade hier“, denn er wäre so enttäuscht,
weil wir dort für gewöhnlich eine Menge 70er Funk und Disco Zeug
hören.
Hast du noch irgendwelche letzten Worte, Morddrohungen oder sonst etwas?
(lacht) „Say what you want to say to your german fans!” – Ich meine,
was auch immer? Kriegt eure Ärsche hoch und kommt zu unseren Shows, dann
werdet ihr schon sehen, wie wir sind. Wir haben eine wirklich enge
Fanbase in Deutschland und diese Leute folgen uns zu allen unseren Gigs
und sind sogar heute hier. Ich habe gar keine Worte um meine
Wertschätzung für diese Hingabe zu beschreiben. Wenn jemand oder eine
Gruppe von Leuten es so sehr schätzt, was wir tun, um zu allen unseren
Auftritten zu kommen und für uns da zu sein seit so vielen Jahren, ist
das so herzlich gefühlt und gibt mir persönlich die Energie und die
Kraft um das zu tun, was wir tun. Einfach ein großes Danke dafür, dass
ihr da wart!
(dg, fs, bt)
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