Am Freitag den 05.08. hatten binchen und Bolli auf dem Wacken Open Air die Gelegenheit Jon Nödtveidt, Frontmann von Dissection zu Interviewen.
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DF: Wie fühlt es sich an, wiedergeboren zu werden?
Jon Nödtveidt: Es fühlt sich an wie eine Wiedergeburt völlig frischen Blutes, aber dennoch aus der alten Essenz. Es ist wie eine Injektion von neuem Kraftstoff in eine alte Form, welche die Band auf eine neue Ebene hebt, ihr eine Form, als die Reinkarnation von Dissection gibt.
DF: Wer hat Dich unterstützt, so daß die Wiedergeburt der Band so schnell von statten ging?
Jon Nödtveidt: Es geht darum, verantwortungsbewusste Leute zu finden, mit denen man arbeitet. Es ist die Anstrengung vieler Menschen die hinter den Kulissen arbeiten, viele Leute arbeiten mit viel Hingabe und Elan an unserer Sache und es geht darum diese Hingabe in die Sache zu stecken, die wir zu 100% ernst nehmen, es sind also nicht nur die Bandmitglieder, sondern auch Freunde, Leute mit denen wir arbeiten und so weiter. All diese Leute haben sich für die Wiedergeburt von Dissection angestrengt, aber es war, von Anfang meiner Haftstrafe an, meine Entschlossenheit Dissection zurückzubringen, das war das erste Ziel was ich nach meiner Entlassung in Gedanken hatte. Die Flamme von Dissection brannte die ganze Zeit und das war es, was die Flamme wieder zum Leuchten gebracht hat.
DF: Weißt Du, wie viele Konzerte der "Rebirth-Tour" nun endgültig ausverkauft waren?
Jon Nödtveidt: Ich habe nicht alles bis ins Detail gerade im Kopf, aber wir haben über 50 Konzerte, seit dem ersten Rebirth-Gig in Stockholm am 30. Oktober letztes Jahr gegeben und es war ein enormer Erfolg. Es war eine überwältigende Erfahrung, dass es möglich ist, zurückzukehren und einer Band neues Leben einzuhauchen, die von so vielen Leuten, während unserer Abwesenheit, über all die Jahre, am Leben erhalten wurde, es war wie eine dunkle Wiedervereinigung beider Seiten, seitens der Band aber auch seitens der Anhänger der Band.
DF: Ich habe gehört, daß einige Konzerte in größere Hallen verlegt werden mußten?
Jon Nödtveidt: Ja, einige erstaunliche Sachen wie diese passierten ein paar mal und sie beweisen, dass man nach Rückschlägen wie diesem zurückkommen kann, wenn man den richtigen Willen hat und wenn man Glück hat, die Unterstützung zu haben, die wir hatten.
DF: Wie habt ihr nun endgültig den Rest vom Line-Up gefunden? Ihr hattet eine Internet-Anzeige aufgegeben, wie viele Leute haben darauf geantwortet?
Jon Nödtveidt: Ja, wir haben eine Anzeige im Sommer 2003 aufgegeben und wir haben viele Video-Tapes und viele CDs bekommen, ich habe sie nicht gezählt aber wir hatten, wegen meiner Haftstrafe, eine Weile Zeit, sie alle durchzusehen. Es gab Leute die mir geholfen haben die Bewerber zu kontaktieren, weil es für mich im Gefängnis schwierig war Kontakte aufzubauen, daher hatte ich Freunde, die mir halfen. Es waren auf jeden Fall unzählige Video-Tapes und CDs, die eingesendet wurden und wir schauten uns die Leute, von denen wir überzeugt waren, dass sie den selben Geist, auf dem Dissection gründet, haben, an. Der Rest ist Geschichte.
DF: Faust war für eine kurze Zeit in der Band, ich habe bisher nur Gerüchte gelesen, warum er die Band verlassen hat...
Jon Nödtveidt: Nun, wir hatten nicht einmal die Zeit zu proben, weil wir zu der Zeit, wo wir in Kontakt standen, beide im Gefängnis waren. Zu dem Zeitpunkt als er freigelassen wurde, musste ich noch ein paar Jahre absitzen und wir redeten, ob wir nicht etwas zusammen machen sollten, was darauf hinauslief, dass er offiziell Dissection beitrat. Aber wegen meiner Haft, hatten wir halt nie die Chance zu proben, es gab diese Freundschaft aus der Vergangenheit und hatten den Kontakt während meiner Haft auch gehalten aber als wir uns endlich getroffen hatten, mussten wir beide verstehen, dass viele, viele Jahre vergangen waren und Menschen verschiedene Richtungen einschlagen. Ich persönlich fühle mich immer noch in den alten Tagen, ich möchte das satanische Konzept der Musik weiter nach vorn bringen, das ist mein Hauptziel mit Dissection. Es ist ein Werkzeug, die schwarze Flamme, die Dunkelheit der Band, den Geist der Band auszudrücken. Das ist eine ganz klare Aussage in Dissection. Faust glaubte, dass er das nicht zu 100% repräsentieren könne und dass er als Individuum nicht dazu stehen könne und das machte uns beiden klar, wenn er nicht 100% geben könne, ist es besser, es gar nicht erst zu versuchen. Also sagten wir uns, dass das nicht funktionieren würde. Ich kam dann in Kontakt mit Tomas von Dark Funeral und er war grundlegend das, wonach ich bei einem Drummer für Dissection gesucht hatte. Ein erfahrener Drummer und Musiker aber auch ein bekennender Satanist, eine Person die meine Visionen über Musik als rituelles Werkzeug teilen konnte.
DF: Die letzte Single heißt "Maha Kali", wie kommt es, dass Du über die Hindu Göttin der Zerstörung singst und wie vereinbarst Du das mit Satanismus?
Jon Nödtveidt: Nun, Satan ist ein Wort, Satan ist das hebräische Wort für Gegner und Feind. Satan ist kein Name, da ist nirgendwo ein Kerl, der Satan heißt, Satan ist ein anti-kosmischer Grundsatz, eine anti-kosmische Kraft von der Gegenseite der kosmischen Schöpfung. Es ist ein auflösender Impuls, ein zerstörerischer Impuls, der die ganze träge Kraft des Materials, aus der dieses universelle Gefängnis besteht, zusammenbrechen lässt. Es gibt in jeder Mythologie diesen Impuls, diese zerstörerische Kraft, beschrieben mit verschiedenen Namen und Symbolen, es ist alles dieselbe Kraft, aber sie hat verschiedene Namen und Formen, die von Menschen geschaffen wurden, damit es ihnen möglich ist, die wirkliche Macht dahinter zu beschreiben. Denn diese wirkliche Macht dahinter hat keinen Namen und keine Form, sie ist komplett formlos und über allem hinaus, was man anfassen kann. Es ist eine Macht des Chaos, es ist etwas, was viel größer und viel unverständlicher ist, als es etwas materielles je sein könnte. Wir benutzen diese Namen und Formen, damit es uns möglich ist, etwas, dass größer und über diese Formen hinaus ist, zu beschreiben. Und Kali, als die dunkle Mutter und die Göttin kosmischer Zerstörung, ist der weibliche Aspekt Satans. Wenn man einen Hindu fragen würde, würde er natürlich widersprechen, weil er es mit dem christlichen Teufel vergleichen würde und sagen würde, dass Kali nicht dem christlichen Teufel entspricht. Aber ich bin kein Anbeter des christlichen Teufels, ich bin ein Satanist, anti-kosmischer Satanist und ich begründe meine Ansichten auf Gnostizismus. Ich sehe den christlichen Teufel als Propaganda und Mist, nur um ihm die Schuld für alles falsche dieser kosmischen Schöpfung zu geben. Wenn etwas schlecht ist, ist es die Schuld des Teufels. Aber der wirkliche Tyrann und der wirkliche Unterdrücker, ist der Gott, der diese Welt geschaffen hat und wenn man es so sieht, wird Satan zum Befreier für die, die sich mit mehr identifizieren, als nur in einem Gefängnis aus Fleisch und Blut zu sein, für die, die sich mit ihrem Geist identifizieren, mit etwas formlosen. Es gibt also in jeder Mythologie diese Kräfte des Chaos, es liegt nur an einem, die Augen für all diese Traditionen zu öffnen und zu sehen, dass sie alle die selbe Sache beschreiben. Alle Schöpfungs-Mythen beschreiben die Schöpfung des Kosmos von einer formlosen Quelle, von einer Dunkelheit, von einem Chaos aus, das vor der Schöpfung von Zeit und Raum war. Und es ist genau diese Kraft, die vor der Erschaffung von Zeit und Raum war, mit der wir uns als Satanisten identifizieren. Und Satanist zu sein, sich mit dieser urzeitlichen Kraft des Chaos zu identifizieren, bedeutet auch, diese Welt als Gefängnis anzusehen und alles zu tun um dagegen zu rebellieren und auszubrechen. Es ist also nur ein riesiges Gefängnis, aus dem wir versuchen auszubrechen. Wir identifizieren uns mit allem was zerstörerisch gegenüber dieser Welt ist und wir schlüpfen in die Rollen von Urgöttern der Dunkelheit um die Kräfte in menschlicher Form zu repräsentieren, in Fleisch und Blut, damit diese Kräfte wieder auf dieser Erde wandeln. Das ist der Pfad des Satanisten - ein Feind dieser Welt in wahrem Geiste zu werden, unser physisches Ich von diesem Willen übernehmen zu lassen, um am Ende über dies hinauszuschreiten, den Kreis von Leben und Tod zu verlassen.
DF: Zurück zur Musik, viele Fans sind enttäuscht vom neuen Sound, weil sie Dissection darin nicht wiedererkennen. War der neue Sound eine natürliche Weiterentwicklung oder habt ihr den Stil absichtlich geändert?
Jon Nödtveidt: Man muss im Hinterkopf behalten, dass über 10 Jahre seit dem letzten Album vergangen sind und dieses Material über einen sehr langen Zeitraum geschrieben wurde. Die Sache ist, dass die einzigen Bezugspunkte, die die meisten Leute zu Dissection haben, The Somberlain und Storm of the Light's Bane, die in den Jahren 93 und 95 aufgenommen wurden, sind. Aber diese neuen Songs waren bereits die ganze Zeit in Arbeit, wir haben Sachen vom neuen Album, die bis ins Jahr 93 zurückreichen. Natürlich wurde das meiste später geschrieben, aber während dieser Jahre entwickelt man sich natürlich weiter und macht Schritte nach vorn, als Songschreiber. Natürlich hört sich Dissection im Jahre 2005, wo wir den Nachfolger zu Storm of the Light's Bane nach so langer Zeit aufnehmen, anders an. Dissection ging es nie darum, das eigene Zeug zu kopieren, wenn man The Somberlain und Storm of the Light's Bane vergleicht, sieht man einen großen Unterschied in den Songs, aber man kann immer noch hören, dass es die selbe Band ist, weil die gewisse Essenz da ist. Ich denke das größte Problem ist, dass Leute die alten Songs für eine sehr lange Zeit gehört haben, für 10 bis 13 Jahre und sie haben diese Songs tausend mal gehört und wenn sie nun einen neuen Song zum ersten mal hören, kann man das natürlich nicht mit dem vergleichen, was sie über die lange Zeit gehört haben. Auf der anderen Seite folgen wir unserem eigenen Pfad, wenn wir Musik schreiben, weil wir nur das schreiben, was wir selbst fühlen und das ist es, was Dissection schon immer war. Wir hatten nie Druck von außen, über den wir nachdenken mussten, wenn wir unsere Musik schrieben, wir hatten unseren inneren Impuls, die Musik zu schreiben, unseren inneren, kreativen Impuls. Das ist die einzige Sache, der wir folgen können, ohne uns selbst zu verlieren, das ist der einzige Bezugspunkt, den wir haben können, in der Musik steckt unser eigener Geist und das macht Dissection zu Dissection. Das ist der Grund, warum Dissection heute immer noch so heißt. Das Wesen und der Geist von Dissection sind stärker als je zuvor aber natürlich hat sich der Sound weiterentwickelt und verändert, aber er ist immer noch Dissection, es ist immer noch der selbe Impuls, der mich dazu bringt, mich hinzusetzen und Musik zu schreiben, wie in den alten Tagen. Für mich persönlich haben sich diese Songs über eine sehr, sehr lange Zeit entwickelt, also habe ich eine komplett andere Beziehung zu den Songs als, zum Beispiel, einer von unseren Fans, der vor kurzem das Lied gehört hat und ihn nun mit einem Song vergleicht, den er schon tausend mal gehört hat. Es braucht Zeit, gute Musik ist etwas, das wächst, es ist etwas was man genießen muss, etwas, was man viele male hören muss, um voll teilhaben zu können. Hauptsächlich schreiben wir Musik für uns selbst, mit unserem eigenen kreativen Impuls, ohne diesen könnten wir nichts, außer einer leeren Hülle präsentieren und das wäre überhaupt nicht gut. Wenn wir versuchten eine Kopie von Storm of the Light's Bane zu machen, die ja ein großer Erfolg für uns war, würden wir nicht nur uns selbst, sondern auch alle, die Dissection hören betrügen. Wenn man versucht etwas zu kopieren, wird es nie so gut werden, wie das Original. Dissection geht es immer darum, unseren Sound zu erforschen, weiter zu kommen, auf unserem kreativen, dunklen Pfad und neue Gebiete zu erkunden, aber die Flamme ist immer die selbe, es ist immer der selbe Geist. Wir machen also einfach das, was wir machen und das, was wir machen müssen und das ist der einzige Weg.
DF: Viele andere bands würden ihren Sound vermutlich wieder zurück zum Storm of the Light's Bane Album ändern, wenn sie könnten und ihre Fans das neue Material überhaupt nicht leiden könnten, das wird bei Dissection (nach der letzten Antwort) vermutlich nicht passieren, richtig?
Jon Nödtveidt: Nein, ich denke, Leute, die diese Alben mögen, würden nicht gern eine Kopie davon haben, wenn sie bereits das Original besitzen. Dissection würde in einer Sackgasse enden und wir haben einiges mehr zu bieten und das ist es, was wir als Band machen. Wir schreiben einfach weiter Musik durch unseren eigenen Antrieb.
DF: Was ist für die Zukunft von Dissection geplant?
Jon Nödtveidt: Wir nehmen gerade das neue Album auf, ich muss noch ein paar Vocals und Lead-Gitarren machen. Wir sind schon im Februar ins Studio gegangen, aber aktiv haben wir erst zwei Monate im Studio gearbeitet, weil wir Pausen gemacht haben, Konzerte gaben und noch ein paar andere Sachen. Aber wenn wir jetzt aus Wacken zurückkommen, wird die Hauptpriorität auf dem Beenden der Aufnahmen liegen und einen Plattenvertrag zu finden. Wir haben uns absichtlich dazu entschlossen mit der Entscheidung über ein neues Label für dieses Album zu warten, weil wir so viele andere Sachen haben, auf die wir uns konzentrieren mussten, zuerst auf die Rebirth-Tour und dann auch auf die Album Aufnahmen. Aber der nächste Schritt ist, zu entscheiden, welches der vielen Labels, mit denen wir in Kontakt stehen, das nächste Album veröffentlichen wird. Das sind so die nächsten Pläne, die wir haben.
DF: Kannst Du uns ein bißchn über das neue Album erzählen, z.B. den Titel oder wie viele Songs es enthalten wird?
Jon Nödtveidt: Der Titel wird noch eine Weile geheim bleiben, aber das Album wird 11 Tracks enthalten und sie werden alle verschiedene Aspekte unseres Sounds repräsentieren. Anstelle also alle Elemente in alle Tracks zu verpacken, muss man das Werk nun als Gesamtwerk betrachten um sich ein Bild machen zu können, aber der rote Faden des klar erkennbaren Dissection Sounds, wird immer da sein.
DF: Werdet ihr auf der Bühne weiterhin alte Songs spielen oder werdet ihr irgendwann nur noch neues Material spielen?
Jon Nödtveidt: Ich denke, wir werden immer alte Songs live spielen, aber wenn wir natürlich gerade ein neues Album herausbringen und die Shows für diese Tour spielen, werden wir natürlich viele Songs von diesem Album spielen. Aber wir werden auch altes Material einbinden.
DF: Du bist Mitglied bei der "Misanthropic Luciferian Order", wir ernst ist die diese Sache?
Jon Nödtveidt: Es ist mein Leben, mein Tod und das was darüber hinaus kommt. Der Pfad eines Satanisten ist ein Pfad den man im Leben geht, aber dieser Pfad führt über das Leben hinaus, und das ist es worum es geht, fähig zu sein, von diesem Leben ins urzeitliche Chaos überzugehen um eine Art grenzenlose, dynamische Existenz, anstelle dieses begrenzten, physischen, materiellen Gefängnisses, das wir als Leben kennen, in diesem Universum zu erreichen. Es ist also mein Leben, mein Tod und auch darüber hinaus alles.
DF: Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?
Jon Nödtveidt: Nun, wenn ich mich selbst beschreiben müsste, wäre mein einziges Ziel mir selbst treu zu bleiben und ich denke, das ist meine einzige Regel. Aber davon mal abgesehen, liegt es an anderen, mich zu beschreiben, ich meine, ich bin mit Sicherheit der Feind dieser Welt, also keine Ahnung wie das ausgehen würde. [lacht]
DF: Wenn du nicht mit der Band unterwegs bist, also zum Beispiel im Urlaub, was würden die Leute über Dich sagen: Böser Satanist oder netter Nachbar?
Jon Nödtveidt: Aber ein Satanist zu sein oder den anderen Weg zu gehen, hat nichts damit zu tun, auf welche Art man für jemanden anders in Erscheinung tritt. Es hat damit zu tun, wer man wirklich ist, und das muss man niemandem beweisen. Ich bin nur ich selbst und ich denke nicht darüber nach, wie andere das sehen. Lass es mich so sagen, ich halte lieber den Kontakt zu wenigen, aber sehr guten Freunden, als mich mit meinen Nachbarn anzufreunden.
DF: Was ist Dein Motto?
Jon Nödtveidt: Fuck the world.
Hier nochmal Dank an Jon Nödtveidt, für das Beantworten der Fragen.
(hj, ao) |